„Eine Reise in eine unbeschwertere Zeit“

So liebt Lippe: Eurodance-Star Loona tritt am Samstag bei der letzten Glashausparty in Lemgo auf.
Im LZ-Interview spricht sie über die Langlebigkeit ihrer Karriere, Eitelkeit und warum die 90er einfacher waren

Kreis Lippe. Die 10. Glashaus- party am Samstag, 26. Okto-
ber, soll die letzte in Lemgo sein. Die Ehre, die finale Arie
zu singen, hat die niederländische 90er-Ikone Loona (45), bekannt für ihre Hits „Mam-
boleo“ und „Bailando“.Der LZ verrät sie, was die Besucher er- wartet und was sie mit Lippe
verbindet.

Was erwartet die Besucher der Glashausparty in Lemgo?
LOONA: Freude an den 90ern, Freude an 20 Jahren Loona. Die
Leute können eine Zeitreise mit mir machen und sich zurück- versetzen, in eine leichtere, un-
beschwertere Zeit. Ich erlebe das fast jede Woche, dass die Leute mir genau das sagen.

Einfach mal den Kopf ausschalten?
LOONA: Ich hab gelernt, dass Songs wie ,Bailando‘ die Ma- gie haben, Leichtigkeit zu versprühen. Die Zuhörer denken an ihre Jugend, an einfachere
Zeiten, vielleicht als sie noch keine Kinder hatten (lacht).

War die Zeit Ihrer Meinung nach wirklich einfacher oder wird da viel verklärt, weil man, wie Sie sagen, eben jünger war? LOONA: Wir hatten von den Fehlern der Vergangenheit gelernt und waren auf einem no tem Weg, andere Menschen für ihre Lebensentscheidungen zu akzeptieren. Zum Beispiel lebten wir Toleranz im Bezug auf LGBT-Themen (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender), aber auch auf Menschen, die von wo anders stammen. Heutzutage ist es eher ein Rückschritt. Die Intoleranz gegenüber wächst. Gleichzeitig wird über- Minderheiten reagiert, wenn jemand einmal etwas Unüberlegtes sagt, auch wenn es nicht so gemeint war. Wir sind insgesamt nicht so locker wie damals.

Hat sich Ihr Publikum verändert? Sind es vor allem Menschen, die mit Ihnen seit 1998 groß geworden sind oder ziehen Sie auch Jüngere an? LOONA: Es ist gemischt und kommt auf den Auftritt an. In Lemgo geh‘ ich davon aus, dass Leute kommen, die die 90er lieben. Letztens hatte ich noch einen Club-Auftritt, da kommen Gäste, die erst Ende der 90er geboren wurden. Die haben aber von mir gehört und sind einfach Fans von den Songs. Natürlich fiel der Beginn meine Karriere noch in die Rave-Zeit, aber heute gibt es eine große Schlager-Dance- Pop-Szene. Das ist im Prinzip das gleiche Publikum wie zu Zeiten des Euro-Dance.

Damals waren es die ganz großen Bühnen, heute sind auch kleinere Shows dabei. Nicht je- der kann damit umgehen. LOONA: Irgendwann wird es schwer, immer in der ersten Liga zu spielen und es ist normal, dann auf kleineren Bühnen zu stehen. Die Sache ist, wie Du damit umgehst, und das kann nicht jeder. Wenn die Leute sagen ,Muss die immer noch um die Welt tingeln? dann finde ich das nicht schön. Das ist mein Leben, das ist das, was ich mache. Und nur weil es nicht mehr in der Spitze stattfindet, heißt das nicht, dass es nicht relevant ist. Und ich hab einfach das Gefühl, dass die Leute mich immer noch sehen wollen. Viele meiner Songs auch heute immer werden noch regelmäßig gespielt und vielleicht habe ich den besten noch nicht geschrieben.

Wie versuchen Sie, relevant zu bleiben? LOONA: Um das Jahr 2004 her- um habe ich mal versucht, so- was wie die Popsängerin „Pink“zumachen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht zu mir und meiner Stimme passt. Da fehlte mir die Leichtigkeit. Und es gibt auch nicht so viel wie Loona auf dem Markt. Es gibt Pop, es gibt Schlager, aber eine Holländerin, die auf Spanisch singt, ist etwas besonderes. Ich war damals schon ein Dance-Act, habe zwei Echos in dem Bereich gewonnen. Jürgen Drews ist auch ein Vorbild für mich, weil er noch mit 70 auf der Bühne steht und die Leute glücklich macht. Und ich könnte das auch. Ob es in 25 Jahren noch so ist, weiß ich nicht-aber ich könnte. Werden Sie also die neue Cher? LOONA: Ja wieso nicht (lacht)? Man muss sich natürlich pflegen und schonen. Ich würde so- gar Schönheitsoperationen in Betracht ziehen. Wenn die bis dahin so gut sind und ich das brauchen sollte.

Gerade da Frauen über 35 Jahren im Showgeschäft häufig dar- auf reduziert werden, wie jung sie noch aussehen, könnte man doch da ein Statement setzen. LOONA: Wenn das, das du übermitteln willst, und das, was du auf die Bühne bringst, zu weit auseinander gehen, ist das nicht gut. Ich würde schon darauf achten, dass ich für mein Alter noch gut aussehe, auch wenn ich mich verändere. Man sollte nur keine Karikatur von sich selbst werden Wie lange werden Sie in Lemgo auf der Bühne stehen? LOONA: Ich habe so viel Song- Material, ich könnte so um die drei Stunden machen. Aber tat- sächlich sind 40 Minuten so eine magische Grenze. Nichts ist schlimmer als eine schlechte Zugabe. Die Leute gehen mit dem Gefühl, mehr zu wollen, aber dann bin ich ja noch da und rede mit Leuten.

Sie mischen sich später also noch unters Volk? LOONA: Meine Tourbegleiter wissen, dass ich mindestens ein bis eineinhalb Stunden bleibe und mit den Gästen quatsche. Da passieren eigentlich die schönsten Sachen. Da macht man Bilder, trifft Leute, und macht noch Party zusammen. Haben Sie Erinnerungen an Lip- pe? LOONA: Sehr gute sogar. bin früher häufiger im ,Extra aufgetreten. Damals kannten wir zwei Mädels, die haben wir Detmolderinnen ,die nannt. Mit denen haben wir gefeiert und sogar zusammen in -a den Discos gefrühstückt. Ich hoffe, auch diesmal wieder einigen Menschen Freude zu bewerden reiten. Die Leute schmunzeln und sagen Ja die Loona war da.

Glashausparty 

Einmal wie ein Gla- mour-Paar durch das Blitzlichtgewitter Fotografen flanieren: Bei der 10. Glashauspar- ty können sich die Besu- cher von einem profes- sionellen Fotografen vor einer Fotowand ablich- ten lassen.Die Veranstal – tung, die die LZ gemein- sam mit Michael Nolting unter dem Banner ,,So liebt Lippe“ organisiert, soll auch zum Kennen- lernen anregen. ,,Wir wollen noch mal einen richtig tollen Abschluss für die Glashausparty und da ist,So liebt Lip- pe‘ genau der richtige Rahmen“, sagt Nol- ting. Karten gibt es in al- len LZ-Geschäftsstellen für 15 Euro. Wenige Restkarten gibt es an der Abendkasse. Einlass ist ab 20 Uhr.